Viele Fledermausarten wie etwa die Zwergfledermaus, das Große Mausohr oder die Breitflügelfledermaus sind auf Gebäudequartiere angewiesen. Bei Sanierungen, Umbauten oder Abrissvorhaben entstehen dadurch besondere Anforderungen an den Artenschutz.
Bei Ortsbesichtigungen kann eine Quartiernutzung bereits ohne die Anwesenheit der Tiere nachgewiesen werden: Fledermäuse können in Form von Kot, Urinstreifen und Körperfettablagerungen Spuren hinterlassen. Die detaillierte Vermessung und Untersuchung von Kotproben bis hin zur Analyse extrahierter Haare erlaubt nicht nur eine sichere Zuordnung zur Tiergruppe der Fledermäuse, sondern auch zur entsprechenden Fledermausart.
Die Analyse von Spuren, ggf. mit entsprechender Artbestimmung über die Haaranalyse, ergänzt und erleichtert die Bewertung von (potenziellen) Quartierangeboten, zum Beispiel im Rahmen der ASP I, ASP II, der ökologischen Baubegleitung, der Maßnahmenüberprüfung und des Monitorings. Demnach kann z.B. auch eine Nutzung von Fledermauskästen, sei es am Gebäude oder am Baum, teils auf Artniveau nachgewiesen werden, auch wenn die Fledermäuse gerade nicht anwesend sind. Eine regelmäßige und systematische Kotspurensuche über einen längeren Zeitraum (systematisches Kotmonitoring) kann eine Fledermauskartierung ergänzen.
Analyse von Haaren aus Kotpellets
Für die Haaranalyse mit dem Ziel der Artbestimmung werden Kotpellets vermessen und nach ihrer Größe einem passenden Bestimmungsschlüssel zugeordnet (Dietz & Kiefer 2020). Die Haare werden aus den Kotpellets extrahiert und mikroskopisch untersucht.


Untersuchung von Mulmproben zur Haaranalyse
In Baumhöhlen finden sich nur selten vollständige Fledermauskotpellets, während sich häufig eine humusähnliche Substanz – der Mulm – ansammelt. Dieser besteht aus organischen Materialien wie Holz- und Laubresten sowie Fledermauskot. Mulmproben bieten daher eine wertvolle Ressource, um Hinweise auf die Nutzung von Baumhöhlen durch Fledermäuse zu gewinnen. Dabei wird Material aus verschiedenen Bereichen der Baumhöhle entnommen, hygienisch gesichert und anschließend im Labor desinfiziert und für die weitere Bearbeitung aufbereitet. Diese Methode ermöglicht somit auch den Nachweis einer Quartiernutzung, wenn keine sichtbaren Spuren wie Kot oder Tiere vorhanden sind und stellt ein effektives Verfahren zur naturschutzfachlichen Bewertung von Baumhöhlen dar.
Durch mikroskopische Untersuchungen lassen sich widerstandsfähige Fledermaushaare identifizieren, die im Kot und auch nach der Zersetzung von Kot im Mulm erhalten bleiben. Anhand charakteristischer Haarstrukturen kann eine sichere Zuordnung zur Artengruppe der Fledermäuse erfolgen, eine Bestimmung bis auf Artniveau ist bei intakten Haaren möglich. Typische Merkmale wie die geschuppte Kutikulastruktur und das fehlende Mark bilden die Grundlage der morphologischen Zuordnung (Meier Lammering & Starrach, 2016; Dietz & Kiefer, 2020). Falls keine eindeutige Zuordnung möglich ist, werden die Proben der Artengruppe „Fledermäuse“ zugeordnet. Fledermaushaare lassen sich von anderen Säugetierhaaren klar unterscheiden.

